Chiesa Santa Maria Formosa

Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa
Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa Nordfassade der Kirche Santa Maria Formosa



Überblick

Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa
Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa Interior



Die Chiesa Santa Maria Formosa ist eine katholische Kirche in Venedig. Sie liegt im Sestiere Castello auf dem nach ihr benannten Campo Santa Maria Formosa. In ihrer heutigen Gestalt stammt sie aus der venezianischen Renaissance-Zeit. Die erste Kirche an diesem Platz stammt aus dem 7. Jahrhundert- sie wurde in Folge mehrmals umgebaut und rekonstruiert. Im Jahr 1492 wurde die Kirche Santa Maria Formosa von Mauro Codussi aus Bergamo umgebaut. Die Fassade stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert und der Campanile wurde 1688 errichtet. Im Kircheninneren sind Kunstwerke u.a. von Bartolomeo Vivarini, Jacopo Palma il Vecchio, Leandro Bassano, J. Palma der Jüngere (1548 - 1628), Vincenzo Catena (1470/80 - 1531) und Giulia Lama zu sehen. Die Kirche ist der Vereinigung Chorus Venezia angeschlossen.




Chiesa Santa Maria Formosa

Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa
Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa Apsis


Die Gründung der Kirche Santa Maria Formosa soll bis ins 7. Jahrhundert zurückgehen. Damals soll die Jungfrau Maria dem heiligen Magnus, Bischof von Oderzo, als wunderschöne Matrone (daher der Beiname „Formosa“, was so viel wie „kurvenreich“ bedeutet) erschienen sein und ihm befohlen haben, einen ihr geweihten Tempel zu errichten, wo sich eine weiße Wolke bilden würde. Das Gebäude wurde natürlich mehrmals in den darauffolgenden Epochen, vor allem im 9. und 12. Jahrhundert, so oft umgebaut, bis es einen byzantinischen Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes und mit einer zentralen Kuppel aufwies. Trotz eines Komplettumbaus der Kirche in der Renaissancezeit ist diese Architektur noch heute zu erkennen.


Architektur

Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa
Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa Hauptportal


Die heutige aktuelle Struktur der Kirche entstand Ende des 15. Jahrhunderts und ist dem Architekten Mauro Codussi aus Bergamo zu verdanken. Mauro Codussi, auch Mauro Coducci, (* um 1440 in Lenna/Valle Brembana bei Bergamo; † 1504 in Venedig) war ein italienischer Steinmetz und Architekt der Frührenaissance. In diesem Meisterwerk seiner späten Schaffenszeit organisierte er den Innenraum nach genauen geometrischen Berechnungen, die dem Gebäude eine strenge und ausgewogene Harmonie verleihen. Diese beeindruckende Ausgewogenheit wird durch das Weiß der Außenflächen noch verstärkt, das - ganz im Stil Brunelleschis - nur vom grau der Profilsteine unterbrochen wird. Als Codussi starb, waren die Außenfassaden noch nicht fertiggestellt.


Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa
Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa Westfassade mit Hauptportal - Foto: Wikipedia - Autor: Nino Barbieri - Lizenz: s.u.


Diese wurden zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert von der Familie Capello finanziert, die sie als zwei Grabmäler zur Verherrlichung der bedeutendsten Vertreter ihrer Familie errichten ließen. Im Innenraum sind bedeutende Meisterwerke von Bartolomeo Vivarini (* um 1432 in Murano; † um 1499 Venedig) und Palma dem Älteren (* um 1480 in Serina Alta, heute Serina bei Bergamo; † 30. Juli 1528 in Venedig) zu sehen. Beim Betreten der Kirche treffen sie rechts auf das Gemälde „Die Jungfrau und der Knabe“ von Lattanzio Querena, die Kopie eines Werkes von Sassoferrato. Wenn Sie weitergehen sehen Sie rechts vom Hauptportal die Madonna von Lepanto, eine uralte byzantinische Ikone, die den Befehlshaber Sebastiano Venier auf der Schlacht von Lepanto gegen die Türken im Jahr 1571 begleitete.


Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa
Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa Interior


In der ersten Kapelle des rechten Kirchenschiffs umschließt der Marmoraltar das Triptychon der Barmherzigkeit von Bartrolomeo Vivarini, ein Meisterwerk mit Darstellung der Jungfrau der Barmherzigkeit in der Mitte sowie der Begegnung zwischen Joachim und Anna links und rechts der Geburt der Jungfrau. In der nächsten Kapelle ist ein Gemälde von Jacopo Palma dem Älteren mit der Darstellung von Maria als Mater Dolorosa und dem heiligen Franz von Assisi zu sehen. im rechten Teil des Querschiffs oberhalb des zweibogigen Fensters thront das Abendmahl von Leandro Bassano. Leandro Bassano (eigentlich Leandro dal Ponte) (* 26. Juni 1557 in Bassano del Grappa; † 15. April 1622 in Venedig) war ein italienischer Maler und einer der vier Söhne aus der Malerfamilie von Jacopo Bassano. Von ihm stammt auch das berühmte Gemälde „Märtyrertod der Hl. Lucia“, das auf der Klosterinsel San Giorgio Maggiore in der gleichnamigen Basilika zu sehen ist.


Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa
Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa ...das Polyptychon heilige Barbara mit Pietà und Heiligen gilt als ein Hauptwerk von Palma il Vecchio - Foto: Wikipedia (gemeinfrei)


Gegenüber, am Altar der Schule der Bombardieri, können Sie das herrliche Polyptychon von Jacopo Palma dem Älteren mit der Darstellung der heiligen Barbara, umgeben von dem heiligen Antonius Abbas und Sebastian mit Vincenz Ferrer und Johannes dem Täufer oben und dem toten Christus, gehalten von Maria auf dem Gesims, bewundern. Hinter dem Hauptaltar im Presbyterium erstrahlt die Jungfrau zwischen dem heiligen Markus und Magnus, eine Allegorie der Gründung der Kirche von Giulia Lama (1681–1747), sowie die Vorstellung der von den Narentaner Piraten geraubten Bräute beim Dogen von Giovanni Segala. Viele Scuole (Bruderschaften) hatten in der Kirche ihre Altäre und Kapellen. So die Bruderschaft der Darbringung (gegründet 933), die der Kistenmacher, der Obsthändler, der Geschützgießer und der Heiligen Dreifaltigkeit, die 1604 gegründet wurde um Almosen zum Freikauf von Sklaven zu sammeln.



Giovanni Antonio Canal, il Canaletto - Campo Santa Maria Formosa - WGA03907

Giovanni Antonio Canal, il Canaletto - Campo Santa Maria Formosa - eingebunden über Wikimedia Commons


Campo Santa Maria Formosa

Venedig - Palazzo Priuli Ruzzini
Venedig - Palazzo Priuli Ruzzini Campo Santa Maria Formosa


Der Campo Santa Maria Formosa ist ein großer Platz im Stadtviertel Castello in Venedig. Er ist einer der größten Plätze im Centro Storico von Venedig. Zum Campo Santa Maria Formosa gehört auch der angrenzende Campiello Querini, insgesamt neun Gassen zweigen von diesem Platz ab und es sind elf Brücken vorhanden, von denen einige einfache Anbindungen zu Gebäudeeingängen sind. Der Name des Platzes entstammt der Chiesa Santa Maria Formosa, die diesen Platz im Wesentlichen prägt. Die Gesamtfläche des Platzes wird durch drei Kanäle - Santa Maria Formosa, Rio del Pestrin und Rio San Severo - begrenzt.


Venedig - Palazzo Querini Stampalia
Venedig - Palazzo Querini Stampalia Campo Santa Maria Formosa - Ansicht vom Campiello Querini Stampalia


Am Rande des Platzes stehen einige Gebäude mit historischer- und architektonischer Bedeutung. Im Einzelnen sind dies, beginnend an der Nordwestseite:

der Palazzo Ruzzini Priuli, der heute das Ruzzini Palace Hotel beheimatet;
der Palazzo Morosini del Pestrin (mit Blick auf den Rio del Pestrin);
die Palazzi Donà;
das Casa Venier;
der Palazzo Vitturi;
der Palazzo Trevisan Esco Malipiero;
der Palazzo Querini Stampalia (am Campiello Querini)

Das wichtigste Gebäude auf dem Campo Santa Maria Formosa ist auch gleichzeitig das größte: die katholische Kirche Santa Maria Formosa im südöstlichen Bereich des Campos.


Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa
Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa Interior


Johann Christoph Maier [2] notiert in seinem Werk "Beschreibung von Venedig - Mit Grundrissen und Kupfern - Erster Theil" von 1795:

S. Maria Formosa, Parrochial - und Mutterkirche.

Die Gründung dieser Kirche ist sehr alt. Man hält sie für die erste , die auf diesen Inseln der Maria zu Ehren errichtet worden. Sie ward nach ihrer ersten Erbauung dreimal wieder hergestellt, nemlich in den J. 866, 1105 und zuletzt 1680, da sie durch ein heftiges Erdbeben sehr gelitten hatte; dennoch entdekt man an ihr noch den antiken Geschmak, in welchem sie Paul Barberta 1350 gebauet hatte. Sie hat zwei schöne Ansichten von Istrischem Marmor nach dem Modell des Vincenzo Smeraldi, die der berühmte Venet. Admiral und Senator Vincenzo Capello errichten ließ, einen schönen Glokkenthurm, nach der Zeichnung des Franc. Zucconi, und zwölf Altäre.“


Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa
Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa Interior


„Der Hauptaltar bestehet ganz aus harten Steinen und Säulen von feinem Marmor. Ein dreifach abgetheiltes Altarblatt von Bart.Vivarino enthält in der Mitte die Madonna, die mit ihrem Mantel einige Figuren bedekt. Zur Rechten begegnen sich St. Joachim und St. Anna, und zur Linken siehet man die Geburt dieser Jungfrau. Dieses Werk hat sich sehr gut erhalten, und giebt einen Begriff von dem guten Colorit dieses Mahlers. Es ist eines seiner besten Gemälde, und mit vieler Anmuth, sattsamen Geschmak und Kenntnis ausgeführt. Er verfertigte es, wie aus der Beischrift erhellet, 1475. Ein Altarblatt mit der aufgenommenen Madonna mit einigen Engeln ist von Tintoretto, das Altarblatt mit der h. Barbara ist vom älterem Palma. Was jemals der Pinsel dieses Meisters Schönes hervorbrachte, enthält dieses Bild, das durchgehends von Kennern gerühmt wird.“


Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa
Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa Blick auf die Kirche Santa Maria Formosa und den gleichnamigen Campo


„Es ist mit vieler Eigenheit erfunden, in eine schöne, sehr natürliche, anmuthige und edle Bewegung gesezt, und mit Kunst und Feuer ausgemahlt, und wird deswegen vor seinen andern Werken empfohlen und gerühmt. Zu den Seiten dieser Heiligen siehet man in etwas kleinern Bildern die h. h. Sebastian, Antonius den Abt, und in der Höhe einen todten Christus im Schoße seiner Mutter, Johannes den Täufer und Dominicus. Der weisse Marmor, der dieses schon etwas verdüsterte Gemälde umgiebt, und das wenige Licht verhindern eine freiere Untersuchung. Diesem gegenüber stehet ein Gemälde mit dem Nachtmahl der Apostel von Leander Bassano. Ein Altarblatt von Domenico Bassignano von Florenz, einem Schüler des Zuccato, enthält das Märtyrthum der h. Catharina; ein anderes Christum am Kreuze von Lion. Corona.“ [2]


Chorus Venezia

Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa
Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa Campanile der Kirche


Chorus Venezia, oder vollständig Chorus - Associazione per la chiese del patriarcato di Venezia ist eine Organisation zur Pflege und Erhaltung von 16 Kirchen in Venedig. Die Vereinigung wurde erst 1998 gegründet. Um die Kirchen zu besichtigen wird ein Eintritt verlangt. Dieser kommt der Erhaltung der Kirchen zu Gute. Die Einwohner von Venedig haben freien Eintritt.

Zu den 16 Kirchen im einzelnen gehören:

1. Chiesa di Santa Maria del Giglio in San Marco;
2. Chiesa di Santo Stefano in San Marco;
3. Chiesa di Santa Maria Formosa in Castello;
4. Chiesa di Santa Maria dei Miracoli in Cannaregio;
5. Chiesa di San Giovanni Elemosinario in San Polo;
6. Chiesa di San Polo in San Polo;
7. Basilica di Santa Maria Gloriosa dei Frari in San Polo;
8. Chiesa di San Giacomo dall’Orio in Santa Croce;
9. Chiesa di San Stae in Santa Croce;
10. Chiesa di Sant’Alvise in Cannaregio;
11. Chiesa della Madonna dell’Orto in Cannaregio;
12. Chiesa di San Pietro di Castello in Castello;
13. Chiesa del Santissimo Redentore in Giudecca;
14. Chiesa di Santa Maria del Rosario (Gesuati) in Dorsoduro;
15. Chiesa di San Sebastiano in Dorsoduro;
16. Chiesa di San Giobbe in Cannaregio;




Quellenangabe:

Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa
Venedig - Chiesa Santa Maria Formosa Nebenportal


1.: Die Informationen zur Geschichte der Chiesa Santa Maria Formosa in Venedig basieren auf dem Artikel "Santa Maria Formosa" (Stand vom 07.03.2016) und stammen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz [34 KB] für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

2.: Der Bericht über die Chiesa Santa Maria Formosa in Venedig im Sestiere Castello basiert auf den Erzählungen von Johann Christoph Maier - "Beschreibung von Venedig - Mit Grundrissen und Kupfern Erster Theil - Seiten 114 - 115" - erschienen im Verlag Johann Ambrosius Barth, Leipzig, 1795, jetzt im Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek, Fundstelle Google Books, abgerufen zuletzt am 12.10.2019.

Das Foto "Kirche Santa Maria Formosa - Westfassade mit Hauptportal - Autor: Nino Barbieri" unterliegt den Bestimmungen der Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 Unported Lizenz.


Fotos der Kirche Santa Maria Formosa




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