Arsenal

Venedig - Arsenal

Wassertor (Ingresso all'Acqua)




Überblick

Venedig - Arsenal

...das Arsenal auf einer Karte aus dem Jahr 1724 - Fotoquelle: Wikipedia



Der Begriff Arsenal (Arsenale) kennzeichnet die Flottenbasis der ehemaligen Republik Venedig. Das Arsenal lag im Sestiere Castello und bestand ursprünglich aus einigen Gebäuden, die als Werkstätten und als Lagerräume dienten und einem etwas größeren Wasserbecken, in dem die hier erstellten Schiffe vom Stapel laufen konnten. Später dann wurde das Gelände immer größer und es entwickelte sich eine Schiffswerft und die Flottenbasis der Republik Venedig. Der Name Arsenal entstand wahrscheinlich aus der arabischen Bezeichnung darsiná-a - Arbeitsstätte (einige Teile der Wasserbecken tragen noch heute die Bezeichnung Darsena). Es war einer der wichtigsten Bereiche der Republik Venedig.

 

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Geschichte

Venedig - Arsenal

Landtor im Stil der Renaissance


Der Bau des Arsenals wurde unter dem Dogen Ordelaf Falier ab 1104 begonnen. Ordelafo Faliero (gefallen in der Schlacht von Zadar 1118), war der 34. Doge von Venedig. Er regierte von 1102 bis 1118. Er war der Sohn des Dogen Vitale Falier, der das Amt von 1084 bis 1096 bekleidet hatte und unter dessen Regierungszeit die verschollenen Gebeine des hl. Markus, des Stadtpatrons, angeblich auf wunderbare Weise wiedergefunden worden waren. Das Areal für die Errichtung des Arsenal bestand aus zwei sumpfigen Inseln im Stadtteil Castello.


 



Werftbetrieb

Venedig - Arsenal

...gewaltige Mauern trennten das Arsenal von den Wohngebieten...


Diese Werft, die als größter Produktionsbetrieb Europas vor dem Zeitalter der Industrialisierung betrachtet werden kann, wurde zum Vorbild für andere Marinearsenale in Europa. Das Gebiet umfasst heute 32 Hektar (früher 50 Hektar), ein Zehntel des historischen Zentrums von Venedig. Der Dichter Dante Alighieri (1265 - 1321) beschrieb in der "Göttlichen Komödie" (Inferno, XXI. Gesang, 7.–12. Vers) die emsige Geschäftigkeit im Arsenal von Venedig. Auch Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) besuchte Venedig und das Arsenal - im September 1786 reist er über Karlsbad und München nach Venedig, 1790 folgt der zweite Besuch in der Lagunenstadt.

 

Venedig - Arsenal

Ansicht Lagunenseite


Johann Wolfgang Goethe während seines Aufenthalts in Venedig am 5. Oktober 1786:

(...)"Heute früh war ich im Arsenal und mir interessant genug, da ich noch kein Seewesen kenne und also auch hier gleichsam die untre Schule besucht habe. Denn freylich sieht es hier sehr nach einer alten Familie aus, die sich noch rührt aber wo die Blüte und die beste Zeit der Früchte vorüber ist.

Da ich auch den Handwerckern nachgehe, hab ich manches merckwürdige gesehn. Ein Schiff von 84 Canonen dessen Gerippe fertig steht hab ich bestiegen.

Ein gleiches ist vor sechs Monaten, ganz fertig, ausgerüstet, an der Riva de Schiavoni, bis auf's Wasser verbrannt. Die Pulverkammer war nicht sehr gefüllt und da sie sprang that es keinen grosen Schaden. Die benachbarten Haüser büsten ihre Scheiben ein.

Schönes Eichen Holz aus Istrien hab ich verarbeiten sehn. Ich kann nicht genug sagen, was mir meine sauer erworbnen Kenntniße der natürlichen Dinge die doch der Mensch als Materialien braucht und zu seinem Nutzen verwendet überall helfen und mir die Sachen aufklären. So ist mir die Mineralogische und Oryktologische Kenntniß der Steine ein großer Vorsprung in der Baukunst".(...)

Quelle: Zeno.org - meine Bibliothek



 

Waffendepot

Venedig - Arsenal

Wachturm an einer Eckmauer des Arsenal


Im Zuge des Aufstiegs Venedigs zur europäischen Seemacht wurde das Arsenal mehrmals erweitert: im Jahre 1325 durch das Arsenale nuovo, 1475 durch das Arsenale nuovissimo. 1539 wurde das Becken für die Galeassen fertiggestellt, die bis zu 1000 Bruttoregistertonnen und eine Besatzung von 400 Mann hatten. Das Arsenal enthielt neben den Trockendocks (Gaggiandre), den Schreinereien, den Kalfateranlagen und einer langen Seilhalle (Corderie), in der die Schiffstaue gedreht wurden, auch Erz- und Gießhütten sowie Pulverlager und das Waffendepot, was eine strenge Überwachung der Belegschaft durch die venezianische Sicherheitspolizei nötig machte.


 

Venedig - Arsenal

Wachturm mit Sonnenuhr


Das Arsenal arbeitete außerordentlich effizient. Bereits Im 14. Jahrhundert erfolgte die Produktion der Galeeren in streng rationalisierten Arbeitsabläufen. Jedes Handelsschiff war so konstruiert, dass es in kürzester Zeit zu einem Kriegsschiff umgebaut werden konnte. Die Bestandteile für die Galeeren waren genormt, wurden vorgefertigt und im Depot gelagert, so dass in kürzester Zeit 25 Schiffe einsatzfertig gemacht werden konnten. Im Krieg gegen die Türken wurden im Arsenal im Jahre 1570 innerhalb von zwei Wochen 100 Galeeren gebaut. Im Arsenal konnten bis zu 30 000 Leute arbeiten.


 

Tore des Arsenal

Venedig - Arsenal

Wassertor (Ingresso all'Acqua)


Das Arsenal war von Mauern und Türmen umgeben wie eine Festung, zu der es nur zwei Eingänge gab: Zum einen das Wassertor (Ingresso all'Acqua), das von zwei im Jahre 1574 errichteten Türmen flankiert wird und bei Bedarf durch ein Fallgitter abgeschlossen werden konnte. Durch dieses Tor wurde der Schiffsverkehr über den Bacino ins Mittelmeer abgewickelt. Zum anderen das Landtor (Portaltor - Ingresso di Terra). Das Landtor befindet sich neben dem Wassertor, das in seiner heutigen Form um 1460, auf Betreiben des Dogen Pasqual Malipiero in der Art eines Triumphbogens erbaut wurde um zu zeigen, dass von diesem Orte Ruhm und Reichtum Venedigs ausgehen.


 



Venedig - Arsenal

...das sogenannte Landtor im Renaissancestil....


Das Landtor ist das erste Beispiel des Renaissancestils in der Lagune. Das Portal wird von einem Giebel mit dem Relief eines schreitenden Löwen bekrönt, der das Buch geschlossen - wegen der kriegerischen Funktion des Baus - und ohne die sonst übliche Inschrift pax tibi in den Tatzen hält. Auf der Spitze des Tors befindet sich eine Figur der Gerechtigkeit. Die Inschrift auf dem Tor erinnert an die Seeschlacht von Lepanto, die vornehmlich durch die venezianische Flotte gewonnen worden war.


 

Venedig - Arsenal

...der Löwe stammt aus Griechenland...


Die Eingangstreppe wird flankiert von 8 allegorischen Figuren. Die beiden riesigen antiken Löwen rechts und links der Treppe sind Beutestücke, die Francesco Morosini im Jahre 1687 aus Griechenland nach Venedig brachte. Der linke, drei Meter hohe Löwe befand sich seit zweitausend Jahren nahe Athen in Porto Leone.

 

Porta Nuova

Venedig - Arsenal

Porta nuova


Nach der Einnahme Venedigs durch den französischen Kaiser Napoleon wurde das Arsenal ab 1806 zu einer modernen Schiffswerft umgebaut. Dem Bedarf der Zeit angepaßt wurden nun größere Schiffe als zur Zeit der Republik gebaut und das bedingte umfangreiche Vergrößerungen des Geländes. Diese Schiffe wurden ausgestattet mit bis zu 80 Kanonen und sie wurden nicht mehr in einer Halle gebaut sondern auf einer offenen Werft, einem sogenannten Trockendock. Dazu ließ der Kaiser 12 gedeckte Werkstätten abreißen sowie einen neuen direkten Zugang durch die Umfassungsmauer schlagen, von der das Arsenal von der Laguna aus zugänglich gemacht wurde. So entstand die Porta nuova, das neue Wassertor, neben der ein Turm, der Torre di Porta nuova errichtet wurde.


 

Ausstellungsort Arsenale

Biennale von Venedig Die Biennale di Venezia ist eine internationale Kunstausstellung in Venedig. Das Gelände der Biennale befindet sich in den Giardini im Sestiere Castello. 28 Länder präsentieren hier in nationalen Pavillons ihre Ausstellung. Mehr Platz gibt das Gelände nicht her....



Casarméte

Venedig - Arsenal

...die Häuser in der Bildmitte links gehören zur sogenannten Casarméte...


Aufgefallen sind mir diese Häuser schon vor Jahren- ich fragte mich, wer dort außerhalb des Arsenals in so abgeschotteter Lage wohl wohnen möge. Bei einem Besuch der Architektur-Biennale 2014 habe ich mir das Gelände näher angeschaut. Es handelt sich um eine Marineunterkunft, die um etwa 1916 errichtet wurde. Zuerst für kleine Familien der Marineangehörigen, aber die Enge des Wohnraums und die schlechte Lage der Wohnung, was durch die Nähe zum industriellen Gebiet direkt hinter den Unterkünften und durch die weiten Wege entlang der Nordseite der Arsenalmauer bis zum Zentrum des Sestiere Castello dokumentiert wird, riefen starke Proteste hervor. Aufgrund der gegebenen schlechten Wohnverhältnisse standen die Häuser ziemlich lange leer. Mittlerweile sind sie renoviert- es heißt, die Wohnungen sollen als Gästehäuser Arbeitern des Arsenals, die in verschiedenen produktiven Bereichen eingesetzt sind, angeboten werden. Zum Zeitpunkt meines Besuchs standen sie allerdings immer noch leer. Der Name Casarméte bedeutet soviel wie die "kleine Kaserne", eine im Sprachgebrauch eher geringschätzende Bezeichnung für ärmlichen Wohnraum und die schlechte Lage eines Hauses.


 



Arsenal heute

Venedig - Arsenal

Mauer des Arsenal am Lagunenrand


Wesentliche Teile des Arsenal wurden unter der napoleonischen Herrschaft zerstört und später wieder aufgebaut, um die Verwendung des Arsenal als Flottenstützpunkt zu ermöglichen. Heute ist hier u.a. ein Forschungszentrum der Marine beheimatet. Ferner ist das Arsenal auch Ausstellungsort während der Biennale in Venedig. Einige Teile der Gebäude werden als Museum verwendet, um die Boote und Schiffstypen in ihrer historischen Umgebung zu erhalten. Trotzdem ist der gesamte Bereich hinter der Porta Magna bzw. hinter dem Wassertor (Ingresso all'Acqua) für Besucher leider nicht zugänglich. Die hohen Mauern des Arsenal im Lagunenbereich werden zur Zeit restauriert. Weitere Bereiche im Arsenal werden bereits seit 1988 für die Biennale di Venezia genutzt.

Weitere Informationen zu den für die Biennale genutzten Bereiche im Arsenal finden Sie hier....!


 

Chiesa di San Martino Vescovo

Venedig - Chiesa di San Martino Vescovo

Gesamtansicht


Die Chiesa di San Martino Vescovo befindet sich am Campo San Martino, der nur wenige Schritte vom Haupteingang des Arsenals entfernt liegt. Die Fassade im Norden der Kirche zeigt auf den gleichnamigen Campo und direkt gegenüber befinden sich die Hauptgebäude des Arsenals, der ehemaligen Schiffswerft des Staates Venedig, die hinter dicken Mauern verborgen sind. Auf der Westseite, der Kirche gegenüber, durch die Fondamenta Piavan getrennt, steht der Palazzo Erizzo, der einst im Besitz des Dogen Francesco Erizzo (1566 - 1646) war, dem 98. Dogen der Republik....

Weitere Informationen zur Chiesa di San Martino Vescovo in Venedig finden Sie hier....!


 

Weitere Besichtigungen



Quellenangabe:


Die Informationen zum Arsenal in Venedig basieren auf dem Artikel Arsenal (Venedig) - (Stand vom 31.07.2008) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen zusammen mit dem Plan von Venedig (1724) unter der GNU-Lizenz [34 KB] für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

 

Fotos vom Arsenale



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