Chiesa dello Spirito Santo

Venedig - Chiesa dello Spirito Santo

Ansicht vom Canale della Giudecca




Überblick

Venedig - Chiesa dello Spirito Santo

Ansicht von der Fondamenta Zattere Allo Spirito Santo an einem stürmischen Herbsttag



An der Fondamenta Zattere Allo Spirito Santo befindet sich die Kirche des Heiligen Geistes (Chiesa dello Spirito Santo). Die Kirche und die nur durch eine kleine Gasse getrennte Scuola dello Spirito Santo neben dem Kirchengebäude sehen äußerlich eher unscheinbar aus. Die Fassade der Kirche zeigt auf den Canale della Giudecca, eine stark befahrene Wasserstraße in Venedig. Die katholische Kirche des Heiligen Geistes gehört zum Patriarcato di Venezia (Erzdiözese). Die Kirche gehörte im 15. Jahrhundert zu einem Kloster, dass hier im Sestiere Dorsoduro in einem ehemaligen Hafen- und Arbeiterviertel errichtet wurde. Hier an der Fondamenta Zattere (Zattere=Ufer der Flößer) legten einst die Flößer an, die Holz aus dem Alpenraum nach Venedig brachten. Weitere Informationen zum Thema Holz, einem unverzichtbaren Baustoff in Venedig, finden Sie im Artikel Bootswerft (Squero).


 

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Geschichte

Venedig - Chiesa dello Spirito Santo

Eingangsportal der Kirche


Im Jahre 1493 wurde auf dem Gelände der heutigen Kirche und darüber hinaus ein Kloster der Augustiner-Nonnen errichtet. Im frühen 16. Jahrhundert errichtete der Architekt Antonio Abbondi, genannt Lo Scarpagnino, direkt neben dem Kloster eine Kirche. Das Geburtsjahr von Antonio Abbondi ist nicht bekannt. Er stammte aus Grosio, einer Gemeinde in der Provinz Sondrio in der Lombardei. Abbondi war ein venezianischer Bildhauer und Architekt. Tätig war er fast ausschließlich in Venedig, wo er im Jahre 1549 auch verstarb. Zeitgenössischen Chronisten zufolge war das Kloster von Anfang an in Skandale im Zusammenhang mit dem Verhalten der Nonnen verwickelt, was durch Gerichtsakten dokumentiert wird. Dieses berichtet u.a. auch der venezianische Autor Giuseppe Tassini in seinem Werk "Curiosità Veneziane".


 

Venedig - Chiesa dello Spirito Santo

Ansicht vom Canale Giudecca - Links: Kirche - Mitte: Bruderschaftsgebäude


Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde das Kloster aufgrund von Bauplanungen des Hohen Rates hier am Rand des Giudecca-Kanals grundlegend umgebaut. Die alte Klosterkirche wurde abgebrochen um Platz für den neuen Klosterbau zu machen und im Jahre 1506 begann der Bau des heute noch bestehenden Kirchengebäudes. Die Fassade zeigte nun auf den Canale della Giudecca. Zur gleichen Zeit, auf der rechten Seite der Kirche und nur getrennt durch eine kleine Gasse, wurde auch das Gebäude der Schule des Heiligen Geistes gebaut. Die Gemeinde von Spirito Santo gehört heute zur Parrochia Santa Maria del Rosario (der ehemaligen Gesuatikirche). Nur noch selten wird die Kirche heute für Zeremonien wie Hochzeiten oder Totenmessen genutzt.


 

Architektur

Venedig - Chiesa dello Spirito Santo

Ansicht der Fassade vom Canale della Giudecca


Die Struktur der Fassade wirkt etwas gedrungen und die Anordnung der einzelnen Elemente wie Portal, mehreren Fenstern und die vier Pilaster, die jeweils von 4 korinthischen Kapitellen gekrönt werden, können diesen Eindruck nicht verbergen. Die im Dreiecksgiebel befindlichen rechteckigen Fenster passen nicht so recht zur Schauseite der Kirche, lediglich das Portal und die zwei Seitenfenster verdienen Beachtung. Die Kirche besitzt nur ein Kirchenschiff und wirkt von innen sehr kahl. Links und rechts vom Hauptaltar steht jeweils eine Säule im Stil des Barock. Die Chiesa dello Spirito Santo besitzt u.a. Kunstwerke von G. Buonconsiglio, Jacopo Palma il Giovane, Baldassare Longhena, F. Fontebasso, G. Camerata und G. Torretti. Auf der rechten Seite der Kirche befindet sich die Scuola dello Spirito Santo, deren Fassade der Kirche des Heiligen Geistes sehr ähnelt. Die in diesem Nebengebäude des Gotteshauses untergebrachte Bruderschaft trägt den Namen der Kirche- Bruderschaft des Heiligen Geistes.


 

Kunstdenkmäler

Venedig - Chiesa dello Spirito Santo

Infotafel vor der Kirche


Johann Christoph Maier [1] notiert in seinem Werk "Beschreibung von Venedig - Mit Landkarten und Kupfern - Band 1" von 1791:

"Der Ursprung dieser Kirche ist ungewiß. Sie hat sieben Altäre, worunter sich insbesondere der Altar der Madonna della Salute auszeichnet. Man findet hier etliche gute Gemälde, nemlich einen Versuch der Weisen von Tintoretto; ein trefliches Gemälde von Belluci mit einer Geschichte des alten Testaments; etliche schätzbare Werke von Bambini, nemlich ein Altarblatt mit dem heiligen Joseph, St. Augustinus und St. Lucia; über demselben ein großes Gemälde mit dem von dreyen Engeln besuchten Abraham; das Hauptaltarblatt mit der Ausgiessung des heiligen Geistes über die Apostel; eine Vorstellung des heiligen Augustinus, der ein Kind anblickt, das mit einer Muschel das Meer ausschöpfen will; den ewigen Vater, dem Moses die Gesetzestafeln gebend; das Altarblatt mit der St. Anna und die Mahlereyen an der Orgel, ein Altarblatt von Luca Giordano mit der Madonna, St. Joseph und St. Antonius von Padua; und ein anderes Altarblatt von Carl Loth, mit dem Besuch der Weisen".


 

Scuola dello Spirito Santo

Venedig - Chiesa dello Spirito Santo

Gebäude der Scuola dello Spirito Santo


Weiter führt Johann C. Maier aus:

"Zu dieser Kirche gehöret die Schule dello Spirito Santo mit drey Altären. Diese Brüderschaft hat mit den großen Schulen eine gleiche Einrichtung, und wählet jedesmal einen angesehenen Cittadino zu ihrem Guardian. Auf einem schönen Altarblatt von Polidoro ist mit einer kunstreichen Mannigfaltigkeit die Ausgießung des heiligen Gesites vorgestellet. In der Höhe siehet man in einer schönen Glorie Gott den Vater von einigen Engeln getragen. Ein Gemälde von Gaetano Zompini enthält Jesum im Tempel in der Mitte der Lehrer. Andere Werke sind von minderer Bedeutung" [1]


 

Canale della Giudecca



Paolo Paruta

Venedig - Chiesa dello Spirito Santo

Gemälde 18. Jahrhundert - Ansicht der Fondamenta Zattere mit der Kirche des Heiligen Geistes und der Scuola - Bildquelle: Wikipedia (Public domain)


[...] "Das ganze innere Portal nehmen drey Monumente mit Bildsäulen und Inschriften dreyer Senatoren aus der Familie Paruta ein." [...][1]

Im Innern der Kirche an der Rückwand der Fassade befindet sich das Grabmal der Familie Paruta. Ein Sohn aus dieser Familie, Paolo Paruta, war Historiker, politischer Theoretiker und Staatsmann, der den größten Teil seines Lebens in Diensten der Republik Venedig stand. Paolo Paruta wurde am 14. Mai 1540 in Venedig geboren. Als Sohn einer angesehenen Familie beschäftigte sich Paruta von früher Jugend an mit Literatur und Philosophie. Er studierte u.a. in Padua, widmete sich insbesondere der Geschichte und politischen Wissenschaft und bekleidete zahlreiche Ämter in der Republik Venedig. Unter anderem arbeitete Paruta als Sekretär für einen venezianischen Abgeordneten des Rates der Zehn.


 

Venedig - Chiesa dello Spirito Santo

Ansicht vom Canale della Giudecca


Sein Aufstieg begann 1562, als er den Botschafter Michele Suriano an den Hof des Kaisers Maximilian II. (1527 - 1576 - Kaiser des Heiligen Römischen Reiches) begleiten durfte. Als Nachfolger Luigi Contarinis wurde Paruta 1579 offiziell zum Historiker der Republik berufen. In den Jahren 1592 - 1595 war Paruta Botschafter beim Heiligen Stuhl in Rom. Als Historiker verfasste Paruta einige herausragende Werke. Zu diesen gehört u.a. die "Storia della guerra di Cipro" (beschäftigt sich mit der Kapitulation Zyperns vor den osmanischen Türken, was viele Venezianer seinerzeit total schockierte), erschienen 1599, ein Jahr nach seinem Tod. Er verstarb am 6. Dezember 1598 in Venedig und sein Grabmal ist hier in der Kirche des Heiligen Geistes.


 

Weitere Kirchen in Venedig:



Quellenangabe:


Die Informationen zur Geschichte der Chiesa dello Spirito Santo basieren auf dem Artikel "Chiesa dello Spirito Santo (Venezia)" (Stand vom 05.11.2008) und stammen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz [34 KB] für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

1.) Der Bericht über die Chiesa dello Spirito Santi in Venedig im Sestiere Dorsoduro basiert auf den Erzählungen von Johann Christoph Maier - "Beschreibung von Venedig - Mit Landkarten und Kupfern Band 1 - Seiten 448/449" - erschienen im Verlag Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt und Leipzig, 1791, jetzt im Besitz der Bayrischen Staatsbibliothek, Fundstelle Google Books, abgerufen zuletzt am 02. Februar 2013.


 

Fotos der Kirche des Heiligen Geistes



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